Starseite Geophysik in Jena Institut für Geowissenschaften Friedrich-Schiller-Universität Jena

Meteoriteneinschlag bei Tscheljabinsk, 15. Feb. 2013


Sind die in der OTZ, 06. März 2013, gezeigten Wellengruppen tatsächlich die Lg-Welle von Tscheljabinsk?

Der Lg-Wellengruppe, die durch den Schalldruck des Meteoriten erzeugt worden ist, wird eine Herdzeit von 03:20:26 (EMSC) am 15. Feb. 2013 zugeordnet. Die nachfolgenden Daten wurden über geofon.gfz-potsdam.de/waveform im  MiniSeed-Format erhalten. In der Abb. 1 ist die Wellengruppe in der 229km von Tscheljabinsk entfernten Station ARU gut zu sehen. Allerdings trifft diese Wellengruppe erst um 03:23:40 in ARU ein, was einer Verspätung von 113 s entspricht. Möglicherweise sind aber die Herdkoordinaten und die Herdzeit aufgrund der Erzeugung der Lg-Welle recht ungenau.

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Abb. 1: Station ARU Arti (Sverdlovskaya Oblast, Russia) 

Im Bulletin von EMSC sind drei Stationen aufgeführt, die dieses Ereignis gemeldet haben, die weiteste genannte Station KURK ist 11,28° entfernt. Die Station OBN ist 14,13° von Tscheljabinsk entfernt, auch dort ist die Lg-Welle noch gut zu erkennen (Abb. 2). Allerdings liegt dicht daneben die Wellengruppe SKS eines Erdbebens bei Tonga: Herdzeit 03:02:24, 19,17°S, 174,45°W und Mw=5,8.

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Abb. 2: Station OBN Obninsk  (Kaluzhskaya Oblast, Russia)

In der Abb.3 ist die seismische Registrierung der Station Belsk BEL zu sehen. Leider steht nur die Z-Komponente zur Verfügung. Man sieht, dass bestimmte Wellengruppen des Tonga-Erdbebens  mit der möglichen Lg-Welle zusammenfallen. BEL ist 2673 km von Tscheljabinsk entfernt.

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Abb. 3: Station BEL Belsk (Poland)

Die ausgewählten Laufzeitkurven in Abb. 4 liegen etwa in dem Zeitbereich des Auftretens der Einsätze. Da die Aufzeichnungen mit einem BP von 0,008-0,055Hz (125-18s) gefiltert worden sind, können aber auch dicht daneben liegende Wellengruppen des Tonga-Erdbebens zutreffend sein.

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Abb. 4: LZK_markiert

Je weiter man nach Westen kommt, desto stärker treten aufgrund der Brennwirkung die Kern- und Mantelwellengruppen des Tonga-Erdbebens auf. MOX hat eine Epizentralentfernung von 148,39° zu Tonga und eine Entfernung von 3304 km (29,76°) zu Tscheljabinsk (Abb.5).

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Abb. 5: Station MOX Moxa (Thuringen,Germany)

Als weitere Kontrolle kann man sich auch die zuverlässige Station BFO (Abb.6) noch 335 km weiter westlich anschauen, für die dasselbe wie für MOX gilt.

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Abb. 6: Station BFO Black Forest (Baden-Wurttemberg, Germany)

Es erhebt sich die Frage, ob Wellengruppen des Tonga-Bebens eine möglicherweise schwächer werdende Lg-Welle überdecken und stattdessen nur noch  Wellengruppe PPS des Tonga-Erdbebens zu sehen ist. Diese Frage lässt sich klären, wenn man weitere Tonga-Beben, die nicht zeitgleich mit dieser möglichen  Lg-Welle eintreffen, untersucht. In Abb.7 ist für die Station MOX noch ein weiteres Tonga-Erdbeben am 19. Februar 2013, 22:29:02, Mw=5,8, Tiefe=49km mit den Koordinaten: 17,39°S, 173,46°W (EMSC) zum Vergleich dargestellt.

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Abb. 7: Station MOX Moxa (Thuringen,Germany)

Es sind jedoch nur schwache  Wellengruppen des Bebens in dem infrage kommenden Zeitbereich, ausgebildet. Es wurden noch weitere 5 Tonga-Beben in einem Zeitraum von November 2012 bis Februar 2013 untersucht; dort wurden ebenfalls keine Wellengruppen in diesem Zeitbereich gefunden. Obwohl es schon erstaunt, dass eine Lg-Welle noch über 3300 km  geführt werden kann, deren Magnitude mit mb=4.0 (laut EMSC) doch relativ klein ist, muss man dies als Tatsache anerkennen. Wir hatten im Institut zunächst diesen Sachverhalt bezweifelt, wollen aber jetzt den Verfassern des Artikels in der OTZ vom 06. März 2013 Recht geben.


Thomas Burghardt, Institut für Geowissenschaften, TSN




12.02.2013 Pjöngjang:  Das kommunistische Nordkorea hat einen neuen Atomwaffentest unternommen: Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA meldet einen erfolgreichen unterirdischen Atomtest. Laut KCNA habe es sich um "einen miniaturisierter Sprengsatz mit großer Stärke" gehandelt. Die Erdbebenstationen mehrerer Länder hatten gegen etwa 4 Uhr MEZ ein "künstliches Erdbeben" in der Region registriert, in der das nordkoreanische Testgelände Punggye Ri liegt. Die Erschütterungen erreichten eine Magnitude mb von 5.2.
In der 8376 km entfernten seismischen Station Heukewalde (HKWD) wurde das Signal 3:09:22 UTC (04:09:22 MEZ) registriert und aufgezeichnet (siehe Bild).

HKWD_1202




ehemalige Außenstation ZA1:

Ein Mitarbeiter der LAFOS entdeckte auf den Flächen der BVVG (ehemals Treuhand) im Saale-Orla-Kreis eine ehemalige Messeinrichtung.  Hierbei handelt es sich um die ehemalige  Außenmessstelle der Station Moxa.  Durch das in 13 km Entfernung befindliche ehemalige Walzwerk der Maxhütte  Unterwellenborn setzen damals deutlich sichtbare Störsignale die Empfindlichkeit der Station Moxa herab. Die von Dampfmaschinen angetriebenen Walzstraßen erzeugten bei einer Drehzahl von bis zu 120 U/min bei der seismischen Station Unruhewellen mit Amplituden bis zu 8 nm bei einer mittleren Frequenz von 2 Hz. Um die erzeugte Unruhe zu unterdrücken, wurde neben der Hauptstation eine Nebenmessstelle errichtet. Da sich die mikroseismischen Bodenunruhewellen und die seismischen Raumwellen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten durch das Array hinweg ausbreiten, konnte durch Summation der Signale eine Unterdrückung der Unruhesignale erreicht werden. Der Abstand der beiden Messstellen betrug 715 m. Das Seismometer der Nebenmessstelle befand sich in einen luftdichten Seismometerbehälter SB 1200 in einer Grube auf der gleichen geologischen Formation wie die Station Moxa.

Schacht1

Schacht2

Die Bilder zeigen die ehemalige Nebenmessstelle der Station Moxa


MOX

Maxhütteunruhewellen und teleseismisches Ereignis vor und nach Summation der Signale




Gasexplosion in einem Einfamilienhaus in Jena:

Bei einer Gasexplosion in einem Einfamilienhaus ist in Jena am späten Sonntagabend, dem 09.12.2012, das Gebäude völlig zerstört worden. Der 44-jährige Bewohner wurde in den Trümmern eingeklemmt, konnte aber durch die Feuerwehr befreit werden. Die starke Detonation wurde noch in der der ca. 6 km entfernten seismischen Station Tautenburg (TAUT) registriert und aufgezeichnet. Die seismischen Wellen benötigten etwa 1 s, der Luftschall ca. 19 s bis zur seismischen Messstelle. Aufgrund der Laufzeitunterschiede zwischen seismischer P-Welle und Luftdruckwelle von 18,03s und der genauen Bestimmung der Entfernung zwischen Unglücksort und dem Seismometer in Tautenburg, können wir für die oberen Schichten der Erdkruste 0,5-2km eine scheinbare Horizontalgeschwindigkeit der P-Welle von 5,6 km/s relativ sicher annehmen. Die seismische P-Welle ist also ca. 17 mal schneller in den Erdschichten als die Luftdruckwelle. Im oberen Seismogramm Ausschnitt sieht man in der Vergrößerung den Beginn des P-Einsatzes, Frequenzen von 10Hz dominieren.

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detonierender Meteor über Thüringen am 17.03.2012:

Ein Meteor flog am 17.03.2012 um 18:31 UTC (19:31 Uhr MEZ) über Thüringen von SE nach NW. Zeugen wurden vom Meteor überflogen, zwischen Jena über Plauen bis Bayreuth konnte man einen Knall hören. Der Meteor kam aus Tschechien und überflog danach Plauen (European Research Center for Fireballs and Meteorites). Die Stationen Schwarzer Crux (ABG21), Christianenhaus (JETE) und Vitzeroda (VITZ) zeigen keine Registrierung, da diese vom Luftdruck gut abgeschottet sind.

Meteor_w 

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